FSME-Risiko ist aktuell so hoch wie nie zuvor

Neurologe Dr. Peter Grein empfiehlt eine FSME- Impfung

Pfaffenhofen a.d. Ilmainburg 15.03.2021 -Kaum zieht der Frühling ein, regen sich auch schon die gefährlichen Plagegeister: Zecken. Für alle, die sich gerne draußen aufhalten, steigt damit auch die Gefahr, an Borreliose oder FSME zu erkranken. Dr. Peter Grein, Chefarzt des Fachbereiches Neurologie mit klinischer Neurophysiologie und Stroke-Unit an der Ilmtalklinik Pfaffenhofen, erinnert deswegen an die Impfung gegen die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME): „Eine rechtzeitige Impfung ermöglicht einen guten Schutz vor der Infektion in den wärmeren Jahreszeiten."
Die FSME ist die am häufigsten durch Zecken übertragene Erkrankung des Nervensystems in Europa. Es handelt sich dabei um eine Viruserkrankung bei der viele Infektionen wegen des symptomlosen oder leichten Verlaufes mit oft nur grippeartigen Beschwerden (Kopf- und Gliederschmerzen, Fieber) gar nicht bemerkt werden. Es gibt aber auch sehr schwere Erkrankungen mit Entzündung des Gehirnes, der Hirnhäute und des Rückenmarkes, die zu schweren Kopfschmerzen, Lähmungen, Sprachstörungen, Schluckstörungen und Wesensveränderung führen können. Im schlimmsten Fall verläuft die Erkrankung tödlich.
Das FSME-Risiko ist aktuell so hoch wie noch nie zuvor: Seit Einführung der Meldepflicht vor 20 Jahren wurden im Jahr 2020 mit mehr als 700 Fällen die bei weitem höchste Zahl an FSME Erkrankungen gemeldet, mit im Vergleich zu den Vorjahren einem großen Sprung nach oben. In ganz Deutschland besteht prinzipiell Ansteckungsgefahr, besonders in den Risikogebieten. Auffällig zeigt sich ein hoher Anstieg im Süden. Der Landkreis Pfaffenhofen an der Ilm zählt wie nahezu ganz Bayern und Baden-Württemberg als FSME-Risikogebiet.
Dafür mitverantwortlich ist wahrscheinlich der Klimawandel, der durch die zunehmend wärmeren Winter mit einer höheren Zeckenzahl einhergeht. Zudem tragen die Zecken wohl häufiger FSME-Viren in sich. Die massive Steigerung an Erkrankungen im Jahr 2020 im Vergleich zu den Vorjahren ist auch durch die Coronapandemie erklärbar. "Die Menschen verbringen offensichtlich viel mehr Zeit in der heimischen Natur", so Dr. Grein.
Die Impfung wird von der STIKO (Ständige Impfkommission) empfohlen und ist für Kinder und Erwachsene im Allgemeinen gut verträglich. Für einen vollständigen Schutz sind drei Impfungen nötig. Eine gute Wirkung ist oft schon nach zwei Impfungen erreicht. Auffrischungsimpfungen sind alle 3 bis 5 Jahre erforderlich. Empfohlen wird die Impfung allen Personen in Risikogebieten, die sich in der Natur aufhalten, dazu zählt auch der Stadtpark.
"Gegen die FSME gibt es keine Medikamente", betont Dr. Grein, "bei einer Erkrankung kann man nur noch unterstützend behandeln. Hier müssen wir mit der Impfung unbedingt besser vorbeugen."
Zecken übertragen aber nicht nur FSME, sondern auch andere Erkrankungen wie zum Beispiel die Borreliose. Eine Impfung gegen Borreliose gibt es nicht. Hier helfen in den meisten Fällen Antibiotika sehr gut.

Tipps zum Verhalten bei Zeckenstichen
Entfernen der Zecke
• Sollte baldmöglichst erfolgen! Umso früher umso besser.
Entfernung mit Pinzette oder Zeckenzange / Zeckenkarte, notfalls mit dem Fingernagel.
• Zecke an den Mundwerkzeugen nahe an der Haut fassen.
• Zecke vorsichtig langsam und gerade aus der Haut ziehen. Zecke vollständig entfernen.
• Nach Entfernung der Zecke baldmöglichst Desinfektion der Wunde.
• Achtung bitte beachten: Zecke nicht am vollgesogenen Körper anfassen! Zecke nicht drehen oder quetschen! Niemals Klebstoff oder Öl auf die Zecke geben!

Maßnahmen nach einem Zeckenstich
• Einstichstelle die nächsten Wochen regelmäßig beobachten, am besten fotografieren.
• Arzt konsultieren

  • bei Auftreten einer sich ausbreitenden Hautrötung in den nächsten Wochen oder grippeartigen Symptomen (Abgeschlagenheit, Fieber, Unwohlsein, Kopfschmerzen, Gliederschmerzen) innerhalb von drei Wochen
  • bei neurologischen Symptomen
  • bei Gelenkentzündungen

Dr. Peter Grein erklärt Maßnahmen zum Vorbeugen von Zeckenstichen

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