Hirnvenenthrombosen – was hinter der seltenen Krankheit steckt

Neurologe Dr. Peter Grein erklärt Risiken und Behandlungsmöglichkeiten

Pfaffenhofen a.d. Ilm/ Mainburg 18.03.2021 -In Zusammenhang mit dem AstraZeneca-Impfstoff wurde über das Auftreten von Blutgerinnungsstörungen und Hirnvenenthrombosen berichtet. Ob es einen Zusammenhang dieser seltenen Erkrankung mit der Impfung gibt, ist noch nicht geklärt und wird aktuell geprüft. Dr. Peter Grein, Chefarzt Neurologie mit klinischer Neurophysiologie und Stroke Unit an der Ilmtalklinik Pfaffenhofen, informiert über das seltene Krankheitsbild der Hirnvenenthrombosen.

Was ist eine Hirnvenenthrombose?
Die Hirnvenen oder auch sogenannte „Hirnsinus" sind die Gefäße, die das Blut aus dem Gehirn in Richtung Herz transportieren. Entstehen hier Blutgerinnsel spricht man von einer Hirnvenenthrombose oder auch „Sinusvenenthrombose".

Wie häufig sind Hirnvenenthrombosen?
Hirnvenenthrombosen sind insgesamt selten (in Deutschland ca. 1-2 Erkrankungen pro 100.000 Menschen pro Jahr), diese kommen jedoch auch bei jungen Menschen, häufiger bei Frauen, vor.

Welche Risikofaktoren gibt es?
Meistens tritt eine Hirnvenenthrombose spontan, ohne eindeutige Ursache auf. Einige Risikofaktoren tragen dazu bei, dass es leichter zu Blutgerinnseln kommt. So steigt beispielsweise das Risiko durch Rauchen oder bei Einnahme der Antibabypille, aber auch kurz vor oder nach der Entbindung eines Kindes.

Wie erkennt man Hirnvenenthrombosen?
Das häufigste und meistens erste Symptom sind Kopfschmerzen. Zudem kommt es häufig zu epileptischen Anfällen, Sehstörungen, Bewußtseinstrübung, Verwirrtheit und neurologischen Ausfällen. Allgemein sind nach Impfungen vorübergehende harmlose leichtere Kopfschmerzen häufige Nebenwirkungen und oft Zeichen der Impfreaktion. Die Symptome sollte man auf jeden Fall abklären lassen bei ungewöhnlichen und anhaltenden Kopfschmerzen, besonders wenn diese auf die üblichen Schmerzmittel nicht reagieren. Ein sicherer Ausschluß einer Hirnvenenthrombose ist nur mit der Kernspintomografie oder mit der Computertomografie mit spezieller Kontrastmitteldarstellung der Hirnvenen möglich.

Wie wird eine Hirnvenenthrombose behandelt?
Patienten mit einer Hirnvenenthrombose müssen sehr engmaschig neurologisch überwacht werden. Meistens erfolgt die Behandlung auf Schlaganfallspezialstationen (Stroke Unit). Die eigentliche Therapie der Hirnvenenthrombose erfolgt üblicherweise mit einer Blutverdünnung. In manchen Fällen kann die Erkrankung sehr schwer verlaufen und erhebliche bleibende Behinderungen hinterlassen oder sogar zum Tod führen. Die meisten Patienten sprechen aber gut auf die Behandlung an, die Prognose der Hirnvenenthrombose ist insgesamt besser als bei Schlaganfällen anderer Ursache.

Dr. Peter Grein

Suche