Keiner muss alleine sterben

Palliativmedizinische Betreuung und Besuche Sterbender an den Ilmtalkliniken sind gewährleistet

Pfaffenhofen a.d.Ilm /Mainburg, 29.04.2021 – Seit über einem Jahr hält die Corona-Pandemie die Welt in Atem. Viele Schwerkranke und ihre Angehörigen sind seitdem stark verunsichert: Besonders die Frage, ob bei einer Palliativversorgung auch Besuche der Angehörigen im Krankenhaus in Zeiten von Corona möglich sind, treibt sie um. Elisabeth Haimerl, Ärztliche Leiterin des Palliativmedizinischen Dienstes an den Ilmtalkliniken, erzählt wie sie die palliativmedizinische Versorgung während der Corona-Zeit erlebt und hat beruhigende Nachrichten: „An den Ilmtalkliniken muss keiner alleine sterben. Glücklicherweise haben wir nicht so viele Corona-Patienten. So können wir allen Sterbenden, auch sterbenden Corona-Patienten, Besuche von Angehörigen ermöglichen."
„Jetzt sind wir schon ein ganzes Jahr damit beschäftigt, mit dem Virus zu leben. Gerade anfangs herrschte große Angst vor einer vernichtenden Infektionswelle. In den Krankenhäusern durften die Patienten von niemandem mehr besucht werden. Täglich gab es neue Regularien. Einige Patienten wurden wochenlang nicht nach Hause entlassen, weil ihr Abstrich positiv blieb. Unsere Patienten fühlten sich sehr einsam und wurden teilweise ganz depressiv. Später wurde mit der Geschäftsführung die Ausnahme vereinbart, die palliativmedizinisch betreuten Patienten Besuche von nahen Angehörigen erlaubte", berichtet die Ärztin.

Maßnahmen belasten Personal und Patienten – trotzdem wird vieles möglich gemacht
Heute sind Besuche bei Palliativ-Patienten generell erlaubt. Die Maßnahmen beim Patientenbesuch während der Pandemie erfordern aber sowohl vom Pflegepersonal als auch von den Besuchern viel Disziplin und sind oft belastend. Sterbende Corona-Patienten dürfen nur in kompletter Schutzausrüstung besucht werden. Berührungen, Umarmungen sind nicht erlaubt. Andere Begleitungs- und Unterstützungsangebote, zum Beispiel durch ehrenamtliche Hospizmitarbeiter oder Seelsorger sind aufgrund der Corona-Pandemie nicht möglich. Die Aufgabe der psychosozialen Unterstützung schwerstkranker und sterbender Menschen mit ihrer Not und Angst lastet somit größtenteils und zusätzlich zu allen anderen Aufgaben auf den Schultern der Pflegekräfte. „Wir machen möglich, was nur irgendwie geht. Keiner wird alleine gelassen. Trotzdem ist das Abschiednehmen anders als in Nicht-Corona-Zeiten", erklärt Haimerl.

Palliativmedizin ist mehr als Sterbebegleitung
Der Palliativmedizinische Dienst der Ilmtalkliniken betreut jährlich rund 150 Patienten. Elisabeth Haimerl empfiehlt, den Palliativmedizinischen Dienst möglichst frühzeitig konsiliarisch dazu zu holen. "So können wir gemeinsam mit den Patienten und ihren Angehörigen die individuell beste Betreuung und Versorgung für die noch verbleibende Zeit gestalten."
Palliativmedizin wird häufig auf Sterbebegleitung in den letzten Stunden reduziert. Dabei geht es um wesentlich mehr. Das spezialisierte Team aus Ärzten und Pflegekräften betreut die Patienten bereits weit vor dem Sterbeprozess, zum Beispiel wenn schwere Symptome wie Schmerzen, Atemnot, Angst, Übelkeit und andere die Patienten belasten. Hier gibt es viele Behandlungsmöglichkeiten, die individuell mit dem betreuenden medizinischen Personal abgesprochen werden. Weitere Disziplinen wie Seelsorge, Physikalische Therapie und Sozialdienst können hinzugezogen werden. Laut Haimerl enthält die „palliativmedizinische Schatztruhe" aber auch Aromatherapie, Reflexzonenmassagen, Klangschalentherapie und Musik.
Elisabeth Haimerl stellt fest, dass in unserer Gesellschaftsform das Thema Tod und Sterben häufig verdrängt wird. „Daher sehen wir unsere größte Aufgabe darin, in diesen Ausnahmesituationen mit entsprechend aufgewühlten Gefühlen, eine Stütze und empathische Begleitung zu sein. Es sind oft die kleinen Dinge, die uns sowohl das Leben als auch das Sterben in Würde erleichtern."
Der Palliativmedizinische Dienst der Ilmtalkliniken steht in engem Kontakt zu den Hausärzten, den spezialisierten Ambulanten Palliativteams (SAPV) sowie zu Hospizbegleitungen.

Das Palliativteam der Ilmtalkliniken

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